Die perfekte Hochzeit

Jet­zt war es ein Jahr lang des Ban­gens und des Fieberns, des Pla­nens und des Hof­fens. Ein Jahr voller Entschei­dun­gen, schön­er Entschei­dun­gen, weniger schön­er Entschei­dun­gen und sen­sa­tioneller Entschei­dun­gen.

Hier ein­mal ein Zeitraf­fer welchen Weg wir vor dem eigentlichen Ereig­nis gehen mussten:

Das Datum: wenns nach mir geht, dann am lieb­sten sofort. Aber immer ruhig mit den jun­gen Pfer­den. Win­ter? Auf gar keinen Fall, da ist es viel zu kalt. Som­mer? Ja vielle­icht, aber da sind doch so viele im Urlaub, außer­dem kön­nte es zu warm wer­den. Herb­st? Bäh — zu grau, zu kalt, zu doof. Früh­jahr? Ja, wie schön, Früh­jahr, auch so orig­inell. (Man merkt, wir gehen nicht oft auf Hochzeit­en).

Die Loca­tion: Düs­sel­dorf und Umge­bung, da gibt es bes­timmt was schönes. Oh ja das ist pri­ma. Oh ja ein Ter­min für Früh­jahr? Hmmm 2019? Bei dem Preis auch vol­lkom­men ok, vorher haben wir die Kohle eh nicht zusam­men. OK Alter­na­tive war auch schnell gefun­den. Nett, idyl­lisch, ok kein Schloss und keine Heuballen, aber, naja wenn wir genug Alko­hol verteilen, wird es hof­fentlich keinem auf­fall­en.

Die Gästeliste: die Geschichte der Gästeliste ist eine Geschichte voller Missver­ständ­nisse. Erst kommt die Fam­i­lie. Dann rech­net man nochmal nach, was es einen kostet, stellt das ver­füg­bare Bud­get gegen und redet dann über den Rest. Und dann geht’s los. Lädt man mit Part­ner und Fam­i­lie ein? Was ist wenn jemand zum Zeit­punkt der Ein­ladung Sin­gle ist, und dann zur Hochzeit doch jeman­den mit brin­gen will? Hm, vielle­icht tren­nt sich auch jemand spon­tan? Und find­et dann wieder jemand neues? Ein Teufel­skreis. Dann lädt man Leute mit der vollen Überzeu­gung ein: Die kom­men eh’ nicht. Da kann ich nur sagen, die kom­men garantiert!

Die Ein­ladungskarte: nach­dem die Gästeliste dann irgend­wann mal auch ste­ht, geht es an die Ein­ladun­gen. Es soll was ganz beson­deres, was zu uns passt, sein. Es soll per­fekt sein. Ja, wie oft kriegt man Hochzeit­sein­ladun­gen und denkt sich, oh die ist aber nicht schön, da gehe ich jet­zt nicht hin. Oder gar Ein­ladun­gen, die einen nach­haltig trau­ma­tisiert haben? Man darf da, glaube ich, nicht zu viel erwarten. Es ist eine Ein­ladung zu ein­er Hochzeit. Die meis­ten Empfänger freuen sich per se, weil sie ein­ge­laden wer­den.

Das Enter­tain­ment: ganz wichtiges The­ma. Wir haben ange­fan­gen mit dem Klas­sik­er, Ach-ich-mache-ein­fach-eine-Playlist. Am Ende hat­ten wir zwei Bands, einen DJ und einen Extra-Act für den Eröff­nungstanz. Man muss nicht völ­lig übertreiben, aber man sollte sich dem The­ma vielle­icht doch etwas inten­siv­er wid­men.  Klar hängt es auch stark von der Gästeliste ab: Habe ich nur Tante Erna und Onkel Heinz, reicht auch der Allei­n­un­ter­hal­ter Dis­co-Klaus mit dem Key­board, der die Gäste mit lustige Spielchen quält und um Mit­ter­nacht “Wer ist Jan­u­ar geboren ist” anstimmt. Was eigentlich nicht so schlimm ist, da Tante und Onkel bis dahin eh’ schon eingeschlafen sind.

Und nach­dem das alles geregelt ist, kann nix mehr schief gehen. Naja, fast nix.

Und so ver­lief unsere Hochzeit:

Es war ein wahnsin­nig heißer Tag. Ich habe alles an Schmuck vergessen, was ich hat­te. Der Standes­beamte hat meinen Namen per­ma­nent und betont falsch aus­ge­sprochen. Der Schlauch von unser­er Bierzap­fan­lage ist explodiert. Unser Bus­fahrer hielt mich für einen Gast. Im Bus wahren es gefühlte 1000 Grad. Der DJ hat mich von einem Platz gejagt. Beim Eröff­nungstanz waren wir kon­se­quent nicht im Takt.

Aber es war ein wahnsin­nig schön­er Tag.  Und ich erin­nere mich gerne an jeden einzel­nen Augen­blick.

Weiterlesen

Das perfekte Kleid

Ich ste­he bei der Schnei­derin und sehe mein Hochzeit­skleid zum ersten mal fer­tig an mir ange­zo­gen. Mein Gesicht spricht Bände, ich finde es kacke.

Die Schnei­derin ver­sucht mich etwas zu beschwichti­gen: “Ach das ist nur ein Kleid, wenn die Par­ty gut ist, kann sich jed­er nur noch daran erin­nern!”

Ich ver­suche erwach­sen und mein Alter entsprechend beson­nen zu reagieren.: “Ja, ver­mut­lich haben Sie recht.”

Denke aber nur: “VERDAMMT NOCHMALICH WILL EINE PRINZESSIN SEIN!!!!!!!!!!!!!!!”

Weiterlesen

Herr Nowodka erklärt Vintage

Och jood, dat Se misch he tre­f­fen. Isch wäiß nichth, ov wie et allt wussten, ävver beim’r dorüvver hät e neue Weetschaff eröffnet. Naja kein richtige, nor esu e mod­erne. Fröher gab et beim’r Met­tbrötchen, met öntlich Öllich drop. Un wat maache der Pooschte. Jebrots dat Mett un der Öllich dürch, packe noch a pärche unausspräch­liche Dinger drop un nen­nen et Burg­er. Let­ztens han isch d’r Keller aus­geräumt un ahl Pal­let­ten, Ben­zinkanis­ter, ahl Jeeße un rock zuck wor all wäch. Se meinte se bruche dat all för der Deko. Dann ben isch met Ritasche ren un wat sin ich se drinke Alt­bier us Ein­machgläsern un esse Frit­ten us Mülleimern. Un dat Bier, dat es nit ens vum Faaß, son­dern usd’r Falsche, dat muß mer sich erst­mal vorstellenm’r, hättenm’r sowas fröher nit getraut. Icsh han ens ming Broder­schdoochter, Jen­ni, gefragt, wat dat all soll, un do meinte se nor et nen­nt sich win­täsch, Mir han et fröher Dress genen­nt. Wann do win­täsch wells, kanns do ija direk­te­mang noh Colo­nia jöck­eln, mieh win­täsch, als d’r Dom krieg­ste do nit.

Weiterlesen

Der Ring der Ringe

Alle sagen mir immer, wie wichtig es ist, die per­fek­ten Ringe für die Hochzeit auszusuchen.

Ist es nicht.

Um den Artikel etwas voller zu kriegen, hier noch ein Kek­srezept, was ich heute aus­pro­biert habe, hat­te ja Zeit über nach dem Ringkauf:

300 g Mehl
40 g Rohen­zuck­er
125 g Mar­garine
100 g Agavedick­saft
100 g Erd­nuss­but­ter

Ofen bei 160 Grad vorheizen. Alle Zutat­en zu einem gle­ich­mäßigem Teig mis­chen. Runde Kekse daraus for­men und für 10 Minuten in den Back­ofen steck­en. Fer­tig!!!! (Psst.…Dauerte länger als das Ringekaufen)

Weiterlesen

Heiraten ist so ein Frauending

Es ist ja schon paar mal hier The­ma gewe­sen, mein Lieb­ster und ich wer­den in weni­gen Wochen den Bund der Ehe einge­hen. Aber seit dem wir beschlossen haben zu heirat­en, wobei um genauer zu sein, seit dem wir offiziell verkün­det haben, dass wir beschlossen haben zu heirat­en, zeich­net sich immer mehr ein selt­sames Bild in unserem Fre­un­des- und Bekan­ntenkreis.

Beson­ders bei den Män­nern, und vor allem bei denen, die diesen Schritt bere­its gewagt haben, stelle ich immer wieder recht frag­würdi­ges Ver­hal­ten fest. Erst kommt die Beglück­wün­schung, und dann drehen sich die Her­ren zu meinem Lieb­sten um, machen dieses lei­d­volle Gesicht, als ob sie sich ger­ade einen fiesen Split­ter einge­fan­gen hät­ten, dann fol­gt eins diese Uhh­hh-Mund­for­ma­tio­nen, und dann die alles entschei­dende, zu hun­dert Prozent unpassend­ste Frage aller Zeit­en in diesem Augen­blick “Junge, hast Du es dir wirk­lich gut über­legt??” Jet­zt im Ernst, was erwarten sie in diesem Moment für eine Antwort “Oh, jet­zt wo Du es sagst, ich glaube ich will doch nicht” oder “Nee, habe ich nicht, aber was habe ich bloß für eine Wahl?” Okay, bei dem einen oder anderem wäre es vielle­icht sog­ar ehrlich. Aber wer ist schon ehrlich?

Aber was soll dieses über­triebene Machogehabe, die Ehe wäre was schreck­lich­es, eine nim­mer endende Hölle, und der einzige Weg aus ihr, ist das Ableben dein­er Geis­tes­ge­gen­wart, deines Humors, dein­er Libido und anschließend deines Läääääbens? Ja, so ist die Ehe.

Völ­lig über­raschend und unver­hofft wer­den die vorher unkom­plizierten und reizen­den Geschöpfe unmit­tel­bar nach dem Ja-Wort zu Mon­stern. Sie saugen alle Lebensen­ergie aus euch und machen euch zu ihrem wil­len­losen Sklaven. Und das alles unter Ver­weigerung der ehe­lichen Pflicht­en. Respekt!

Dieses Heirat­en wur­den doch eh von den Weibern für die Weiber erfun­den, als die ulti­ma­tive Rache an dem Mann für alles, wirk­lich für ALLES! Und außer­dem wollen sie es nur als Ali­bi, um einen sünd­haft teuren Fum­mel anzuziehen und ein­fach mal ein Haufen Kohle aus dem Fen­ster zu schmeißen, um ein­mal Prinzessin sein. Ja ja, so sind wir, wir Frauen, ein­fach nur scheiße.

Meine lieben geknechteten Ehemän­ner, ihr Gottes Geschenke an die Men­schheit, ich kann euch nur sagen, ein Glück, kön­nen wir bald voneinan­der sagen, dass wir ver­heiratet sind, und zwar nicht miteinan­der.

Weiterlesen

Neujahrsvorsätze

Fre­unde, das neue Jahr hat begonnen. Ein Ende ist immer mit einem trau­ri­gen Abschied und mit Ver­lust ver­bun­den. Ein Anfang ist immer frisch, neu, span­nend, ungewiss. Man hat noch alles vor sich, und kann es noch selb­st gestal­ten, wie ein unbeschriebenes Blatt. Entwed­er macht man etwas Schönes, Kreatives und Ansehn­lich­es draus, oder man macht es wie immer, nur dann wird es wie immer, am Ende gefühlt scheiße.

So ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass fast jed­er, den Jahreswech­sel dazu nutzt, etwas Neues sich anzueignen um die eigene Leben­squal­ität zu verbessern. Klas­sik­er sind da natür­lich Fit­ness und Gesund­heit, Liebe und das soziale Leben, seit neuestem auch Umwelt.

Und wieso nicht das eine und das andere irgend­wo miteinan­der verbinden und das ganze dann nutzen, um einen Text daraus zu schreiben. Gedacht, getan et voilà, da haben wir es schon. Aber worum geht es hier eigentlich? Mein Vor­satz für dieses Jahr ist weniger Müll. Egal welchen Müll, Bio‑, Papi­er, Glas, ver­bal, sozial, men­tal ein­fach alles.

Das bedeutet auch, sich von eini­gen lieb gewonnenen asozialen Gepflo­gen­heit­en zu ver­ab­schieden, wie z. B. Bio-Gurken in Plas­tik­folie kaufen, oder emo­tionalen Müll in sozialen Net­zw­erken zu ver­bre­it­en.

Zum ersten muss ja hof­fentlich nicht viel sagen, da nick­en die meis­ten nur zus­tim­mend. Da ich ja ohne­hin mich seit über einem Jahr fast auss­chließlich veg­an ernähre, ist das eigentlich nur die logis­che Kon­se­quenz daraus.

Zum zweit­en Vorhaben, ver­hält es sich eigentlich nicht viel anders als zu erstens. Ein Post in zwei Sätzen, ist schnell getan, schnell gele­sen, schnell geliket, ist aber am Ende des Tages völ­lig sin­n­frei. Das polemis­che Gesülze, was da oft ver­bre­it­et wird, inter­essiert mich nicht, kommt auch ganz sel­ten bis zu mir durch, und ich denke, es ver­hält sich mit meinen eige­nen Posts genau­so. Es ist ein­fach nur über­flüs­siger Müll. Dann lieber dem eige­nen Blog weit­er Leben ein­hauchen.

Nein ich melde mich nicht ab, ich laber nur hof­fentlich ein­fach nicht mehr so viel.

Weiterlesen

Namen sind nur Schall und Rauch?

Wie ich schon das eine oder andere Mal in meinen Beiträ­gen erwäh­nt habe, werde ich dem­nächst den Bund fürs Leben schließen, das bringt auch die eine oder andere rechtliche Änderung mit sich und die eine oder andere Entschei­dung, die bere­its im Vor­feld getrof­fen wer­den soll. Unter anderem, welch­er Nach­name gewählt wird.

Ich muss dazu sage, ich habe einen typ­isch rus­sis­chen Nach­na­men, der in Rus­s­land dur­chaus ver­bre­it­et ist, aber hier in Deutsch­land eher auf­fäl­lig ist, und den einen oder anderen Schmun­zler beim Aussprechen ern­tet. Als Jugendliche habe ich ihn natür­lich gehas­st und mir immer gewün­scht, in der Flut von Müller-Mey­er-Schmidt ein­fach unterzuge­hen. Es war nicht immer leicht, so trau­rig es auch klin­gen mag, aber bei der Woh­nungssuche ist der Name echt hin­der­lich gewe­sen. Aber so tren­nt sich auch Spreu von Weizen, und man stellt auch sehr schnell fest, mit wem man es zu tun hat, oder in diesem Fall dann eben nicht.

Irgend­wann war ich auch soweit zu sagen: der Name gehört zu mir und ist auch das per­fek­te Wieder­erken­nungsmerk­mal. Und jet­zt das. Eine Eheschließung, und ein neuer Name? Das Behal­ten des Geburt­sna­mens trifft bei den meis­ten auf Unver­ständ­nis, sowohl bei Män­nern als auch bei Frauen. Die meis­ten Frauen, mit denen ich gesprochen habe, ver­sicherten mir, dass sie keine zwei Sekun­den daran gedacht haben, ihren Namen zu behal­ten und es sofort klar war, dass sie den Namen des Mannes annehmen wer­den. Ich weiß nicht, ob ich an dieser Stelle nochmal die The­o­rie von der rück­läu­fi­gen Emanzi­pa­tion ein­brin­gen soll, aber die Vehe­menz war schon verblüf­fend. Alle sind sich einig, man sollte sich der Tra­di­tion beu­gen und den Nach­na­men des Mannes annehmen, na, den Kindern zu liebe (die wir noch gar nicht haben), wie soll man dann nach außen als Fam­i­lie wirken (stimmt, der Name ist da auch das Einzige, was zählt), ist das deinem Zukün­ftigem egal? (Ja, abso­lut). Aber kein­er kam auf die Idee mich zu fra­gen, warum ich über­haupt daran denke, den Namen zu behal­ten. Anscheinend ist das viel unwichtiger als irgendwelche ungelegten Eier.

Es gibt noch eine kleine Anek­dote aus mein­er Fam­i­lie, warum mir der Name wichtig ist. Es begin­nt alles Ende der 1920er Jahre in Rus­s­land. Meine Urgroß­mut­ter, geboren in Sofia, Haupt­stadt von Bul­gar­ien, heiratet weit unter ihrem Stand ihre große Liebe, den Sohn des jüdis­chen Met­zgers. Kurze Zeit später kriegen die bei­den einen gesun­den Stammhal­ter, meinen Opa, und das Fam­i­lienglück scheint per­fekt zu sein. Doch dann bricht der zweite Weltkrieg aus. Wie wir alle aus den Geschichts­büch­ern gel­ernt haben, war jüdisch sein in dieser Zeit nicht all zu beliebt, sowohl bei den Deutschen als auch bei den Russen. Meine Urgroß­mut­ter, die damals bei der Passstelle arbeit­ete, wollte ihre Fam­i­lie vor dem Schlimm­sten bewahren, und änderte kurz­er Hand den Nach­na­men von einem typ­isch jüdis­chem in einen typ­isch rus­sis­chen. Lei­der geri­et ihr Mann kurz Zeit später unter rus­sis­ch­er Flagge in Kriegs­ge­fan­gen­schaft und kehrte nie mehr heim. Aber der Name blieb und wurde von meinem Opa an meinen Vater weit­er gere­icht und ich habe ihn schließlich von meinem Vater erhal­ten. Da mein Vater eben­falls der einzige Sohn sein­er Eltern blieb und ich keine Brüder habe, die ihn weit­er vererben wer­den, wird der Name auch ver­mut­lich mit mir ausster­ben, aber diese Geschichte bleibt, und wird hof­fentlich in viele Gen­er­a­tio­nen weit­er getra­gen.

Weiterlesen

Ach, die Familie

Sitzen beim Fam­i­lien­fest alle am Tisch. Wie immer und wir zu zehn, während die Menge an Essen ver­muten lässt, man hat wieder ver­sucht den Welthunger zu stillen. Müh­sam kämpfen ich mich durch Majonäse-Her­ing-Schicht­en, während mein Magen für alle hör­bar hys­ter­isch schre­it „Ren­nie“, wage ich es die Gabel aus der Hand zu leg­en.
Oma: wieso isst du nicht? Schmeckt es nicht?
Ich: doch, aber…
Oma: du hast doch noch gar nichts gegessen.
Ich: doch, aber….
Oma: ich hab den ganzen Tag in der Küche ver­bracht.
Ich: Ja, aber…
Oma: immer nur Diäten sind nicht gesund!
Ich: Wass­er…
Oma: mir hil­ft ja auch kein­er!
Ich: aber…
Oma: was sagt man dazu, ihr schmeckt es nicht. Tz!
Ich: alles gut.
Oma: dann sag mir ein­fach was ich kochen soll, damit es auch dir schmeckt.
Ich: Piz­za
Oma: aber du meldest dich auch nie.
Ich: Tele­fon kaputt.

Weiterlesen

Liebes(alb)traum

Manche The­men sind ein­fach irgend­wie immer aktuell, egal zur welch­er Zeit, an welchem Ort und vor allem in welchem Alter. Die Rede ist von Beziehung­sprob­le­men. Da sind ja alle Experten und vergessen doch ganz leicht, zu welchem Unsinn man sich doch schon mal ver­leit­en ließ.

So traf ich vor einiger Zeit mich mit ein­er Fre­undin, die mir munter von ihrer On/Off Beziehung erzählt, die ger­ade wohl in einem tem­porärem On steckt, aber mit ein­er Licht­geschwindigkeit auf ein Off zus­teuert. Die Einzel­heit­en ers­pare ich an dieser Stelle, obwohl wir ja hier unter uns sind.

Ich, als jemand, der schon seit län­gerem bei Beziehung­sprob­lem doch recht unbeteiligt ist, fühlte mich in mein­er Pflicht als Fre­undin, sie auf das mögliche Off doch nochmal hinzuweisen und hoffte sie mit den Worten “ver­giss das Arschloch ein­fach” doch zur Besin­nung zu brin­gen. Aber irgend­wie ist meine sub­tile Botschaft noch nicht so ganz bei ihr angekom­men. Komisch.

Das gab mir dann doch zu bedenken. War ich vielle­icht zu forsch und unsen­si­bel? Niemals, ich doch nicht. Ich habe es nur gut mit ihr gemeint, wenn sie nicht darauf hören mag, völ­lig unver­ständlich.

Einige Tage später, fiel mir mein altes Tage­buch in die Hände. Die let­zten Ein­träge waren fast unmit­tel­bar, bevor ich vergessen habe, was Beziehung­sprob­leme sind. Ich habe mir die Texte aufmerk­sam durchge­le­sen. Auf ein­mal liefen die Abgründe der Freak­show, die sich damals in meinem Lebens abspielte, in einem Zeitraf­fer an mir vor­bei.

Dieser ständi­ge Gefühlschaos. Auf der einen Seite, war er der Größte und aus meinem Lebens gar nicht mehr weg zu denken, auf der näch­sten Seite ver­fluchte ich bere­its den Tag sein­er Geburt. Und das ganze ging in einem Stakka­to weit­er, dem ich irgend­wann mal geistig nicht mehr fol­gen kon­nte. Ich brauchte auch tat­säch­lich auch etwas länger, um mich zu erin­nern, um wen es sich han­delt. In mein­er Erin­nerung, war es ein­fach nur irgen­dein Mann.

Und plöt­zlich fing ich an mich zu schä­men. Nicht für die wirren Ein­träge in meinem Tage­buch, son­dern für das Unver­ständ­nis für meine Fre­undin. Bitte nicht falsch ver­ste­hen, der Typ ist nach wie vor eine Pfeife. Aber eines Tages denkst Du vielle­icht auch an ihn zurück und erin­nerst dich ein­fach nur an irgen­deinen Mann. Aber bis dahin bist Du meine Fre­undin, und ich bin immer für Dich da.

Weiterlesen

Oh, ein Klavier, ein Klavier

Ich koket­tiere ja ganz gerne damit, dass ich völ­lig unmusikalisch bin, das hat mir ja auch schon den einen oder anderen amüsan­ten Abend bescherte. Aber die völ­lige Abwe­sen­heit des musikalis­chen Tal­ents und der Unwille, mich von der Kun­st der Musik ein­fan­gen zu lassen, ist tief in mir ver­wurzelt.

Anfan­gen hat das Ganze in den 60er Jahren. Mein Opa war ein lei­den­schaftlich­er Zock­er. Da aber das Glücksspiel in der dama­li­gen UdSSR ver­boten war, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich bei den Spießern einzurei­hen und an der monatlichen Lot­terie Ver­losung teilzunehmen. Aber nicht schlimm genug, dass man diesen Ner­venkitzen nur ein­mal im Monat mit zig anderen Spin­nern teilen musste, nein viel schlim­mer war, die Tat­sache, dass man nicht mal Geld gewin­nen kon­nte, son­dern irgendwelche Sachgüter. Ein Tep­pich, ein Fernse­her, vielle­icht sog­ar mal ein Auto oder eine Reise auf die Krim ans schwarze Meer, ja früher war das tat­säch­lich mal was Schönes. Also alles nüt­zliche Ding, die man irgend­wohin in die Woh­nung stellen kon­nte, oder wenig­stens, die einem was gebracht haben. Und so geschah es, dass eines Tages mein Opa an der Türschwelle mit seinem neuesten Gewinn stand, einem Klavier. Zwar komme ich aus ein­er jüdis­chen Fam­i­lie, aber mit dem Fid­dler auf dem Dach sind wir defin­i­tiv nicht ver­wandt, und aus­gerech­net dieses eine Klis­chee ist in voller Gänze an uns vor­bei gegan­gen. Also wurde das Teil in die winzige Bude mein­er Großel­tern bux­iert

Jahre­lang wurde es als unprak­tis­che Ablage ver­wen­det, sper­rt die halbe Woh­nung und stand als dro­hen­des Mah­n­mal für die Leicht­fer­tigkeit meines Opas. Mit den 80er Jahren kam auch die neue Gen­er­a­tion ins Haus, und das Klavier stand nach wie vor völ­lig unberührt, wie eine alte Jungfer, da. Als kleines Kind hielt ich es für einen etwas mis­s­rate­nen Schrank und weniger für ein Musikin­stru­ment. Zwar hat­ten wir im Kinder­garten auch ein Klavier, auf dem jeden Mor­gen das Pro­pa­ganda­gesinge begleit­et wurde, aber das Klavier hat­te nichts mit dem Mon­strum bei meinem Großel­tern gemein­sam. Es ist schon bis zu uns durchge­drun­gen, dass man es spie­len kann, aber (A) durften wir auf­grund der fast krankhaften über­vor­sicht mein­er Groß­mut­ter eh nicht dran, man kön­nte sich ja irgend­wie daran ver­let­zten und (B) selb­st wenn wir es gewollt hätte, hätte wir die Klappe nicht aufgekriegt, da drauf viel zu viel Zeug rum­stand.

Und dann eines Tages geschah das Unfass­bare. Das Klavier wurde leer geräumt, ein sehr streng riechen­der, sehr großer Mann kam zu meinen Großel­tern, mit einem Kof­fer voller merk­würdi­ger Dinger und machte die Klappe auf und fing auf dem in Jahre gekommen­em Musik­falggschiff rum zu häm­mern. Man merk­te wie das Klavier sich quälte und nicht aus dem Win­ter­schlaf erwachen wollte, es hat sich mit sein­er Rolle als Ablage abge­fun­den und hat sie sog­ar lieb gewon­nen und wollte ein­fach in Ruhe die näch­sten 20 Jahre nichts mehr anderes tun. Nach dem der Stinker mit dem Gerät fer­tig war, herrschte große Aufre­gung. Die Fam­i­lie hat sich ver­sam­melt, mein Vater rief mich in die Mitte und verkün­dete mir voller Stolz, dass dank den guten Beziehun­gen mein­er Groß­mut­ter, ich bald in eine Musikschule aufgenom­men werde und lerne Klavier zu spie­len. Man, war ich da stolz!!!! Da hat man ein­fach die Risiken der Ver­let­zungs­ge­fahr eines Klavieres völ­lig über Bord geschmis­sen und lässt mich unbeauf­sichtigt daran.

Es fol­gten die zwei ein halb Jahre voller Qualen und Schmerz. Zweimal die Woche Klavierun­ter­richt, vor der Schule!!!!!! Ein­mal die Woche, am WOCHENENDE Chor und ein­mal die Woche Solfeg­gio, mit Hausauf­gaben und Prü­fung!!!!! Nach dem ich dreimal meinen Klavier gewech­selt habe, hat­te man nicht mehr viel Hoff­nung in mich geset­zt, aber dank den guten Beziehun­gen mein­er Groß­mut­ter musste ich trotz­dem hin. Im Chor hat man mir ger­at­en nur zu den Vorstel­lun­gen zu kom­men und ein­fach mich an den Rand zu set­zen und den Mund aufzu­machen. Im Solfeg­gio, ich habe erst später erfahren, dass ich eigentlich hin musste.

Nein wahrlich, ich bin und bleibe völ­lig unmusikalisch. Aber eins ste­ht mit großer Sicher­heit fest, diesen Spaß dür­fen meine Kinder nicht ver­passen.

Weiterlesen