Neujahrsvorsätze

Fre­unde, das neue Jahr hat begonnen. Ein Ende ist immer mit einem trau­ri­gen Abschied und mit Ver­lust ver­bun­den. Ein Anfang ist immer frisch, neu, span­nend, ungewiss. Man hat noch alles vor sich, und kann es noch selb­st gestal­ten, wie ein unbeschriebenes Blatt. Entwed­er macht man etwas Schönes, Kreatives und Ansehn­lich­es draus, oder man macht es wie immer, nur dann wird es wie immer, am Ende gefühlt scheiße.

So ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass fast jed­er, den Jahreswech­sel dazu nutzt, etwas Neues sich anzueignen um die eigene Leben­squal­ität zu verbessern. Klas­sik­er sind da natür­lich Fit­ness und Gesund­heit, Liebe und das soziale Leben, seit neuestem auch Umwelt.

Und wieso nicht das eine und das andere irgend­wo miteinan­der verbinden und das ganze dann nutzen, um einen Text daraus zu schreiben. Gedacht, getan et voilà, da haben wir es schon. Aber worum geht es hier eigentlich? Mein Vor­satz für dieses Jahr ist weniger Müll. Egal welchen Müll, Bio-, Papi­er, Glas, ver­bal, sozial, men­tal ein­fach alles.

Das bedeutet auch, sich von eini­gen lieb gewonnenen asozialen Gepflo­gen­heit­en zu ver­ab­schieden, wie z. B. Bio-Gurken in Plas­tik­folie kaufen, oder emo­tionalen Müll in sozialen Net­zw­erken zu ver­bre­it­en.

Zum ersten muss ja hof­fentlich nicht viel sagen, da nick­en die meis­ten nur zus­tim­mend. Da ich ja ohne­hin mich seit über einem Jahr fast auss­chließlich veg­an ernähre, ist das eigentlich nur die logis­che Kon­se­quenz daraus.

Zum zweit­en Vorhaben, ver­hält es sich eigentlich nicht viel anders als zu erstens. Ein Post in zwei Sätzen, ist schnell getan, schnell gele­sen, schnell geliket, ist aber am Ende des Tages völ­lig sin­n­frei. Das polemis­che Gesülze, was da oft ver­bre­it­et wird, inter­essiert mich nicht, kommt auch ganz sel­ten bis zu mir durch, und ich denke, es ver­hält sich mit meinen eige­nen Posts genau­so. Es ist ein­fach nur über­flüs­siger Müll. Dann lieber dem eige­nen Blog weit­er Leben ein­hauchen.

Nein ich melde mich nicht ab, ich laber nur hof­fentlich ein­fach nicht mehr so viel.

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Namen sind nur Schall und Rauch?

Wie ich schon das eine oder andere Mal in meinen Beiträ­gen erwäh­nt habe, werde ich dem­nächst den Bund fürs Leben schließen, das bringt auch die eine oder andere rechtliche Änderung mit sich und die eine oder andere Entschei­dung, die bere­its im Vor­feld getrof­fen wer­den soll. Unter anderem, welch­er Nach­name gewählt wird.

Ich muss dazu sage, ich habe einen typ­isch rus­sis­chen Nach­na­men, der in Rus­s­land dur­chaus ver­bre­it­et ist, aber hier in Deutsch­land eher auf­fäl­lig ist, und den einen oder anderen Schmun­zler beim Aussprechen ern­tet. Als Jugendliche habe ich ihn natür­lich gehas­st und mir immer gewün­scht, in der Flut von Müller-Mey­er-Schmidt ein­fach unterzuge­hen. Es war nicht immer leicht, so trau­rig es auch klin­gen mag, aber bei der Woh­nungssuche ist der Name echt hin­der­lich gewe­sen. Aber so tren­nt sich auch Spreu von Weizen, und man stellt auch sehr schnell fest, mit wem man es zu tun hat, oder in diesem Fall dann eben nicht.

Irgend­wann war ich auch soweit zu sagen: der Name gehört zu mir und ist auch das per­fek­te Wieder­erken­nungsmerk­mal. Und jet­zt das. Eine Eheschließung, und ein neuer Name? Das Behal­ten des Geburt­sna­mens trifft bei den meis­ten auf Unver­ständ­nis, sowohl bei Män­nern als auch bei Frauen. Die meis­ten Frauen, mit denen ich gesprochen habe, ver­sicherten mir, dass sie keine zwei Sekun­den daran gedacht haben, ihren Namen zu behal­ten und es sofort klar war, dass sie den Namen des Mannes annehmen wer­den. Ich weiß nicht, ob ich an dieser Stelle nochmal die The­o­rie von der rück­läu­fi­gen Emanzi­pa­tion ein­brin­gen soll, aber die Vehe­menz war schon verblüf­fend. Alle sind sich einig, man sollte sich der Tra­di­tion beu­gen und den Nach­na­men des Mannes annehmen, na, den Kindern zu liebe (die wir noch gar nicht haben), wie soll man dann nach außen als Fam­i­lie wirken (stimmt, der Name ist da auch das Einzige, was zählt), ist das deinem Zukün­ftigem egal? (Ja, abso­lut). Aber kein­er kam auf die Idee mich zu fra­gen, warum ich über­haupt daran denke, den Namen zu behal­ten. Anscheinend ist das viel unwichtiger als irgendwelche ungelegten Eier.

Es gibt noch eine kleine Anek­dote aus mein­er Fam­i­lie, warum mir der Name wichtig ist. Es begin­nt alles Ende der 1920er Jahre in Rus­s­land. Meine Urgroß­mut­ter, geboren in Sofia, Haupt­stadt von Bul­gar­ien, heiratet weit unter ihrem Stand ihre große Liebe, den Sohn des jüdis­chen Met­zgers. Kurze Zeit später kriegen die bei­den einen gesun­den Stammhal­ter, meinen Opa, und das Fam­i­lienglück scheint per­fekt zu sein. Doch dann bricht der zweite Weltkrieg aus. Wie wir alle aus den Geschichts­büch­ern gel­ernt haben, war jüdisch sein in dieser Zeit nicht all zu beliebt, sowohl bei den Deutschen als auch bei den Russen. Meine Urgroß­mut­ter, die damals bei der Passstelle arbeit­ete, wollte ihre Fam­i­lie vor dem Schlimm­sten bewahren, und änderte kurz­er Hand den Nach­na­men von einem typ­isch jüdis­chem in einen typ­isch rus­sis­chen. Lei­der geri­et ihr Mann kurz Zeit später unter rus­sis­ch­er Flagge in Kriegs­ge­fan­gen­schaft und kehrte nie mehr heim. Aber der Name blieb und wurde von meinem Opa an meinen Vater weit­er gere­icht und ich habe ihn schließlich von meinem Vater erhal­ten. Da mein Vater eben­falls der einzige Sohn sein­er Eltern blieb und ich keine Brüder habe, die ihn weit­er vererben wer­den, wird der Name auch ver­mut­lich mit mir ausster­ben, aber diese Geschichte bleibt, und wird hof­fentlich in viele Gen­er­a­tio­nen weit­er getra­gen.

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Alles kleinreden…

Laut Wikipedia ist die Bedeu­tung von kleinre­den wie fol­gt:

etwas herun­ter­spie­len, von sein­er eigentlichen Bedeu­tung her­ab­set­zen und damit unbe­deu­tend machen

Irgend­wie habe ich immer öfter den Ein­druck, dass das zu so ein­er Art Volkss­port gewor­den ist.

Du darf dich niemals, um keinen Preis der Welt, zur dein­er Begeis­terung beken­nen und schon gar nicht ver­suchen, jemand anderen dafür zu begeis­tern. Und wenn Du es dann doch tust, bist Du bloß schwach und ver­let­zlich, ein leicht­es Opfer für jed­er­mann. Am besten bewaffnest Du dich mit ordentlich viel Zynis­mus und Miss­mut. Das ste­ht dir viel bess­er, als diese gute Laune und Freude am Leben. Dann kannst Du dich endlich zu den anderen Mis­an­thropen gesellen und dein Leben damit ver­brin­gen alles klein zu reden. Aber was Du machst ist die eigentlich Bedeu­tung von deinem eige­nen Leben her­ab­set­zen und damit unbe­deu­tend machen.

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Leningrad — Exponat

Eine hüb­sche, junge Frau skyped mit einem Anzu­gräger und ver­sucht ihn dabei, ziem­lich offen­sichtlich, zu beein­druck­en. Der Anzugträger läd seine Gesprächspart­ner­in am gle­ichen Tag noch zu ein­er Ausstel­lung ein, und sagt, dass er sie um 6 abholen wird. Sie willigt ziem­lich gelassen ein, und damit ist das Gespräch been­det.

An dieser Stelle geht die Geschichte los. Waschen, leg­en, zupfen, schmieren, wick­eln, föh­nen, schminken, kotzen, beste Fre­undin beschimpfen. Alles für das erste Date, alles für den per­fek­ten Schein.

Die Gruppe Leningrad hat längst, nicht zulet­zt wegen ihrer aufwendi­gen Videos, absoluten Kultcharak­ter in Rus­s­land. Mit ihren ein­deutig nicht jugend­freien aber rafinierten und poet­is­chen Tex­ten, hal­ten sie ihren Zuhör­ern, auf eine satirische Weise, den Spiegel vor. Sie machen sich lustig über Sta­tussym­bole und den über­trieben Protz, für den die rus­sis­che Ober­schicht oft­mals bekan­nt ist.

Aber auch musikalisch ist Leningrad nicht zu ver­acht­en. Mit einem Mix aus Ska, rus­sis­ch­er Folk­lore, HipHop und sog­ar Met­al, geht der Sound der Band sofort ins Ohr. Selb­st wenn man die Texte nicht ver­ste­ht, ist Mit­tanzen garantiert.

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Familienzusammenführung, ein Drama in 5 Akten

Wel­come to our crazy freaky show Meet the Greens. Jüdis­che Mesh­puche trifft auf geballte Ladung West­fäl­ligkeit.

Kapitl 1: die Vor­freude

Mut­ter des Bräutigams untern­immt den let­zten verzweifel­ten Ver­such aus ihrem Sohne­mann doch noch einen guten Haus­mann zu machen. Der arme Kerl wird dazu ver­don­nert Bier­brot zu back­en. Irgend­wann höre ich aus der Küche die verzweifel­ten Rufe von Schwiegermut­tern in spe “Nein, das Bier sollst du nicht trinken, es kommt in den Teig.”

Kpi­tel 2: die Ankun­ft

Die Eltern der Braut kom­men zum ersten mal in West­fall­en an. Rundgang durchs Haus. Alle sind begeis­tert vom Patykeller, Mrs Green ist vom Ein­machkeller sehr beein­druckt. Mr Green lebt sich schon mal ein. Der Bräutigam ist ver­schollen. Läuft!!!

Kpi­tel 3: Warm wer­den!

Was wir durch die Sprach­bar­riere haben, machen wir durch die Laut­stärke wieder wett. AC/DC war ja nix gegen. Wie ste­hts eigentlich beim Fuss­ball?

Kpi­tel 4: Oh mein Gott du behältst deinen Namen!

Ja ich finde Tat­jana ganz gut.

Kapi­tel 5:Ende gut, alles gut!

Der Bräutigam hat einen neun Cock­tail erfun­den, Tai­fun. Gute Nacht Fre­unde.

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Das Wichtigste bei einer Hochzeit…

…ist immer genau das, wonach man ger­ade schaut. Egal ob es der Fotograf ist, die Loca­tion, das Essen, die Musik, das Kleid, die Ringe, Ein­ladungskarten, Klopa­pier­farb­muster. Alles so wichtig, dass damit die gesamte Hochzeit ste­ht oder fällt. Da ist es natür­lich auch nicht ver­wun­der­lich, dass man, völ­lig gestresst vom eigen­em Glück, ver­sucht an die etwas erfahrenere, das Ganze etwas objek­tiv betra­ch­t­ende Umwelt zu wen­den.

Da hat man natür­lich viele Möglichkeit­en. Zum einen Hochzeit­sportale oder Grup­pen in sozialen Net­zw­erken. Man sollte aber hier bedenken, dass sie voller min­destens genau­so panisch rum­ren­nen­der Faste­heleute sind, die vielle­icht nicht den gle­ichen Geschmack teilen, andere Vorstel­lun­gen haben, min­destens genau­so wenig Ahnung haben wie man selb­st, oder ein­fach nur Vol­lid­ioten sind.

Eine weit­ere Alter­na­tive wären Hochzeit­szeitschriften. Hochzeit­szeitschriften sind teuer. Ver­dammt teuer, und ganz ehrlich, ich weiß über­haupt nicht, wozu die gut sein sollen. Eine Fre­undin hat mir ihre “vererbt”. Schlanke, schöne Hip­ster­paare, die ihren schön­sten Tag mit zehn Leuten irgend­wo im Wald, auf einem Fes­ti­val, am Meer, im The­ater, in ein­er Sche­une feiern. Alles voller Blu­men, die Tis­chdeko per­fekt auf alles abges­timmt. Das Paar kommt auf einem Tan­dem, Long­board, Ves­pa anger­adelt. Die Gäste trinken selb­st­gemachte Hol­un­der-Minze-Limette-Schor­le mit Horn­feilchen- und Gänse­blüm­ch­eneiswür­feln aus Wick­gläsern. Das Essen kommt von einem Foodtruck. Als Gästegeschenke gibt es auser­lesene Öle oder Seifen, bei zehn Leuten ist es auch ok. Gut, kann an alles als Inspi­ra­tion im Hin­terkopf behal­ten.

Und dann gibt es natür­lich die Fre­unde, die nur das Beste für einen wollen und gemäß ihren Ratschlä­gen leicht bipo­lare Ten­den­zen haben. Es kom­men so Ratschläge wie: Ach Band, Band, mach’ doch ein­fach eine Playlist, oder fragt doch mal Guns N’ Ros­es, die machen’s bes­timmt, haben doch schon seit Jahren keine Auftritte mehr. Torte? Die von Cop­pen­rath und Wiese, die sind sog­ar zum Teil veg­an­isch, oder bet­selle dir so eine 16stöckige, bege­hbare. Ach, wenn’s zu trinken nur Bier gibt, reicht es doch, naja und den 10 Jahre alten Whiskey.

Das Wichtig­ste bei ein­er Hochzeit ist übri­gens: Die Braut Nicht alles so wichtig zu nehmen.

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Wer Ja Sagen will, muss lernen Nein zu sagen

Eine wun­der­volle Nachricht für mich, mein Lieb­ster hat mir nach knapp 6 Jahren des gemein­samen Lebens, einen Heirat­santrag gemacht. Wie schön, dachte ich. Heirat­en muss doch etwas wun­der­volles sein. Ich habe mir zwar nie eine Märchen­hochzeit a la Hol­ly­wood vorgestellt, aber unge­fähr so muss es doch sein, oder? Habe ich gedacht!

Wie oft war man schon auf Hochzeit­en und hat sich gedacht, “na, also das hät­ten sie auch etwas bess­er machen kön­nen”, oder “und dafür dann so viel Geld aus­gegeben?” Und zack, ist man sel­ber mit­ten drin.

Zwar habe ich immer wieder, hier und da mir sagen lassen, wie unheim­lich teuer alles ist, aber was wis­sen die schon. Es muss nicht so teuer sein und trotz­dem wun­der, wun­der, wun­der, wun­der schön. Habe ich gedacht!

Ich fing an instink­tiv nach Hochzeit­en zu googeln. Alles was ich gefun­den habe, war wun­der, wun­der, wun­der schön. So schön und zuck­er­süß, dass ich fast davon Karies bekom­men hätte. Ach diese Wiesen, diese Felder, diese Heuballen, diese glück­lichen Bräute. Hmm noch mehr Wiesen, Felder, Heu, Bräute. Hmm, wo sind den ihre Typen. Ah da hin­ten in der Ecke, leicht ver­dat­tert. Es geht ja schließlich auch nur um die Braut. Die wun­der, wun­der schön ist.

Ok, als ich mich dann an den Bräuten und den Heuballen satt gese­hen habe, ging es auf, zu der Loca­tion­suche. Und wieder, dein Google mein Aller­heilmit­tel. Unzäh­lige Schlößer und Hotels, und Wasser­mühlen mit ver­wun­sch­enen Gärten. Alles wun­der schön. Aber komisch, nier­gend­wo Preise dran. Und dann machte ich den größten Fehler und fragte an, was es so kosten kön­nte. Und ganz schnell wurde aus wun­der­schön wun­der­lich. Das was ich dann als Preis gesagt bekom­men habe, machte auf ein­mal, den schön­sten Tag im Leben zu dem teuer­stem Tag im Leben. Ganz schnell ertappte man sich dabei, dass man im Begriff war genau das, was andere bei ihren Hochzeit­en, ange­blich falsch gemacht haben soll­ten, selb­st zu pla­nen.

Und plöt­zlich sah man diese ganzen wun­der­schö­nen Bilder mit Wiesen, Feldern, Heuballen und Bräuten drauf aus einem ganz anderem Gesicht­punkt. Aufein­mal war über­all ein imag­inäres Preiss­child dran, und man dachte nur “Seid ihr denn bescheuert.” Hochzeit­en sind zu ein­er reinen Geld­mach­mas­chine gewor­den. Das Mot­to “ihr heiratet nur ein­mal” ist zu einem Syn­onym für “wir pack­en über­all nochmal eine 0 dran” gewor­den.

Nein ich brauche kein Schloss. Nein ich brauche kein vier Kon­ti­nen­ten Buf­fet von einem Sterne-Koch. Nein ich brauche keine Deko wie aus schön­er Wohnen. Nein ich muss nich auf Rosen­blät­tern zu Klän­gen eines Stre­i­chorch­esters den Gang ent­lang schre­it­en. Nein ich brauche kein Kleid, um mich wie eine Prinzessin zu fühlen.

Nein, ich will nicht so feiern. Nein, ich brauche es nicht für einen per­fek­ten Tag. Was diesen Tag per­fekt macht, ist dass ich die Liebe meines Lebens heirate, und da gehört kein Preiss­child dran, und kein Heuballen dieser Welt kann ihn erset­zen.

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Ach, die Familie

Sitzen beim Fam­i­lien­fest alle am Tisch. Wie immer sind wir nur zehn, während die Menge an Essen ver­muten lässt, man hat wieder ver­sucht den Welthunger zu stillen. Müh­sam kämpfen ich mich durch Majonäse-Her­ing-Schicht­en, während mein Magen für alle hör­bar hys­ter­isch schre­it “Ren­nie”, wage ich es die Gabel aus der Hand zu leg­en.
Oma: wieso isst du nicht? Schmeckt es nicht?
Ich: doch, aber…
Oma: du hast doch noch gar nichts gegessen.
Ich: doch, aber.…
Oma: ich hab den ganzen Tag in der Küche ver­bracht.
Ich: Ja, aber…
Oma: immer nur Diäten sind nicht gesund!
Ich: Wass­er…
Oma: mir hil­ft ja auch kein­er!
Ich: aber…
Oma: was sagt man dazu, ihr schmeckt es nicht. Tz!
Ich: alles gut.
Oma: dann sag mir ein­fach was ich kochen soll, damit es auch dir schmeckt.
Ich: Piz­za
Oma: aber du meldest dich auch nie.
Ich: Tele­fon kaputt.

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Liebes(alb)traum

Manche The­men sind ein­fach irgend­wie immer aktuell, egal zur welch­er Zeit, an welchem Ort und vor allem in welchem Alter. Die Rede ist von Beziehung­sprob­le­men. Da sind ja alle Experten und vergessen doch ganz leicht, zu welchem Unsinn man sich doch schon mal ver­leit­en ließ.

So traf ich vor einiger Zeit mich mit ein­er Fre­undin, die mir munter von ihrer On/Off Beziehung erzählt, die ger­ade wohl in einem tem­porärem On steckt, aber mit ein­er Licht­geschwindigkeit auf ein Off zus­teuert. Die Einzel­heit­en ers­pare ich an dieser Stelle, obwohl wir ja hier unter uns sind.

Ich, als jemand, der schon seit län­gerem bei Beziehung­sprob­lem doch recht unbeteiligt ist, fühlte mich in mein­er Pflicht als Fre­undin, sie auf das mögliche Off doch nochmal hinzuweisen und hoffte sie mit den Worten “ver­giss das Arschloch ein­fach” doch zur Besin­nung zu brin­gen. Aber irgend­wie ist meine sub­tile Botschaft noch nicht so ganz bei ihr angekom­men. Komisch.

Das gab mir dann doch zu bedenken. War ich vielle­icht zu forsch und unsen­si­bel? Niemals, ich doch nicht. Ich habe es nur gut mit ihr gemeint, wenn sie nicht darauf hören mag, völ­lig unver­ständlich.

Einige Tage später, fiel mir mein altes Tage­buch in die Hände. Die let­zten Ein­träge waren fast unmit­tel­bar, bevor ich vergessen habe, was Beziehung­sprob­leme sind. Ich habe mir die Texte aufmerk­sam durchge­le­sen. Auf ein­mal liefen die Abgründe der Freak­show, die sich damals in meinem Lebens abspielte, in einem Zeitraf­fer an mir vor­bei.

Dieser ständi­ge Gefühlschaos. Auf der einen Seite, war er der Größte und aus meinem Lebens gar nicht mehr weg zu denken, auf der näch­sten Seite ver­fluchte ich bere­its den Tag sein­er Geburt. Und das ganze ging in einem Stakka­to weit­er, dem ich irgend­wann mal geistig nicht mehr fol­gen kon­nte. Ich brauchte auch tat­säch­lich etwas länger, um mich zu erin­nern, um wen es sich han­delt. In mein­er Erin­nerung, war es ein­fach nur irgen­dein Mann.

Und plöt­zlich fing ich an mich zu schä­men. Nicht für die wirren Ein­träge in meinem Tage­buch, son­dern für das Unver­ständ­nis für meine Fre­undin. Bitte nicht falsch ver­ste­hen, der Typ ist nach wie vor eine Pfeife. Aber eines Tages denkst Du vielle­icht auch an ihn zurück und erin­nerst dich ein­fach nur an irgen­deinen Mann. Aber bis dahin bist Du meine Fre­undin, und ich bin immer für Dich da.

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Oh ein Klavier, ein Klavier

Ich koket­tiere ja ganz gerne damit, dass ich völ­lig unmusikalisch bin. Das hat mir ja auch schon den einen oder anderen amüsan­ten Abend beschert. Aber die völ­lige Abwe­sen­heit des musikalis­chen Tal­ents und der Unwille, mich von der Kun­st der Musik ein­fan­gen zu lassen, ist tief in mir ver­wurzelt.

Ange­fan­gen hat das Ganze in den 60er Jahren. Mein Opa war ein lei­den­schaft­li­cher Zock­er. Da aber das Glücks­spiel in der dama­li­gen UdSSR ver­bo­ten war, blieb ihm nichts ande­res übrig, als sich bei den Spie­ßern ein­zu­rei­hen und an der monat­li­chen Lot­te­rie-Ver­lo­­sung teil­zu­neh­men. Schlimm genug, dass man die­se Ner­ven­kit­zel nur ein­mal im Monat und dann auch noch mit zig ande­ren Spin­nern tei­len musste, noch schlim­mer war die Tat­sa­che, dass man nicht ein­mal Geld gewin­nen kon­nte, son­dern lediglich irgend­wel­che Sach­gü­ter. Einen Tep­pich, einen Fern­se­her, viel­leicht sog­ar mal ein Auto oder eine Reise auf die Krim ans schwarze Meer — ja frü­her war das tat­säch­lich mal was Schö­nes. Also alles nütz­li­che Dinge, die man irgend­wo­hin in die Woh­nung stel­len kon­nte, oder wenigs­tens, die einem was gebracht haben. Und so geschah es, dass eines Tages mein Opa etwas unschlüs­sig an der Tür­schwelle mit sei­nem neu­es­ten Gewinn stand: Einem Klavier. Zwar komme ich aus ein­er jüdis­chen Fam­i­lie, aber mit dem Fid­dler auf dem Dach sind wir defin­i­tiv nicht ver­wandt, und aus­gerech­net dieses eine Klis­chee ist in voller Gänze an uns vor­bei gegan­gen. Also wurde das Teil in die winzige Bude mein­er Großel­tern bugsiert.

Jahre­lang wurde es als unprak­tis­che Ablage ver­wen­det, versper­rte die halbe Woh­nung und stand als moralin­saures Mah­n­mal für die Leicht­fer­tigkeit meines Opas. Mit den 80er Jahren kam auch die neue Gen­er­a­tion ins Haus und das Klavier stand nach wie vor völ­lig unberührt, wie eine alte Jungfer, da. Als kleines Kind hielt ich es für einen etwas mis­s­rate­nen Schrank und weniger für ein Musikin­stru­ment. Zwar hat­ten wir im Kinder­garten auch ein Klavier, auf dem jeden Mor­gen das Pro­pa­ganda­gesinge begleit­et wurde, aber das Klavier hat­te nichts mit dem Mon­strum bei meinem Großel­tern gemein­sam. Es ist schon bis zu uns durchge­drun­gen, dass man es spie­len kann, aber (A) durften wir auf­grund der fast krankhaften Über­vor­sicht mein­er Groß­mut­ter eh nicht dran — man kön­nte sich ja irgend­wie daran ver­let­zten — und (B) selb­st wenn wir es gewollt hät­ten, hät­ten wir die Klappe nicht aufgekriegt, da viel zu viel Zeug darauf rum­stand.

Eines Tages geschah das Unfass­bare: Das Klavier wurde leer geräumt und ein streng riechen­der, großer Mann mit einem Kof­fer voll merk­würdi­ger Dinge kam zu meinen Großel­tern, machte die Klappe auf und fing auf dem in Jahre gekomme­nen Möbel rum zu häm­mern. Man merk­te, wie das Klavier sich quälte und nicht recht aus dem Win­ter­schlaf erwachen wollte, es hat­te sich mit sein­er Rolle als Ablage abge­fun­den, sie sog­ar lieb gewon­nen und wollte ein­fach in Ruhe die näch­sten 20 Jahre nichts mehr anderes tun. Nach­dem der Stinker mit dem Gerät fer­tig war, herrschte große Aufre­gung. Die Fam­i­lie hat­te sich ver­sam­melt, mein Vater rief mich in die Mitte und verkün­dete mir voller Stolz, dass ich dank den guten Beziehun­gen mein­er Groß­mut­ter bald in eine Musikschule aufgenom­men und ler­nen werde Klavier zu spie­len. Man, war ich da stolz!!!! Da hat man ein­fach die Risiken der Ver­let­zungs­ge­fahr eines Klavieres völ­lig über Bord geschmis­sen und lässt mich unbeauf­sichtigt daran.

Es fol­gten zweiein­halb Jahre voller Qualen und Schmerz. Zweimal die Woche Klavierun­ter­richt — vor der Schule! Ein­mal die Woche, am WOCHENENDE Chor und ein­mal die Woche Solfeg­gio, mit Hausauf­gaben und Prü­fung! Nach­dem ich dreimal mein Klavier­lehrer gewech­selt habe, hat­te man nicht mehr viel Hoff­nung in mich geset­zt, aber dank den guten Beziehun­gen mein­er Groß­mut­ter musste ich trotz­dem hin. Im Chor hat man mir ger­at­en, nur zu den Vorstel­lun­gen zu kom­men und ein­fach mich an den Rand zu set­zen und den Mund aufzu­machen. Im Solfeg­gio, äh, also mir wurde im Grunde erst hin­ter­her gesagt, dass ich eigentlich hin hätte sollen. Dafür war die Beno­tung aber noch recht ansehn­lich.

Nein wahrlich, ich bin und bleibe völ­lig unmusikalisch. Aber eins ste­ht mit großer Sicher­heit fest, diesen Spaß dür­fen meine Kinder nicht ver­passen.

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