Namen sind nur Schall und Rauch?

Wie ich schon das eine oder andere Mal in meinen Beiträgen erwähnt habe, werde ich demnächst den Bund fürs Leben schließen, das bringt auch die eine oder andere rechtliche Änderung mit sich und die eine oder andere Entscheidung, die bereits im Vorfeld getroffen werden soll. Unter anderem, welcher Nachname gewählt wird.

Ich muss dazu sage, ich habe einen typisch russischen Nachnamen, der in Russland durchaus verbreitet ist, aber hier in Deutschland eher auffällig ist, und den einen oder anderen Schmunzler beim Aussprechen erntet. Als Jugendliche habe ich ihn natürlich gehasst und mir immer gewünscht, in der Flut von Müller-Meyer-Schmidt einfach unterzugehen. Es war nicht immer leicht, so traurig es auch klingen mag, aber bei der Wohnungssuche ist der Name echt hinderlich gewesen. Aber so trennt sich auch Spreu von Weizen, und man stellt auch sehr schnell fest, mit wem man es zu tun hat, oder in diesem Fall dann eben nicht.

Irgendwann war ich auch soweit zu sagen: der Name gehört zu mir und ist auch das perfekte Wiedererkennungsmerkmal. Und jetzt das. Eine Eheschließung, und ein neuer Name? Das Behalten des Geburtsnamens trifft bei den meisten auf Unverständnis, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Die meisten Frauen, mit denen ich gesprochen habe, versicherten mir, dass sie keine zwei Sekunden daran gedacht haben, ihren Namen zu behalten und es sofort klar war, dass sie den Namen des Mannes annehmen werden. Ich weiß nicht, ob ich an dieser Stelle nochmal die Theorie von der rückläufigen Emanzipation einbringen soll, aber die Vehemenz war schon verblüffend. Alle sind sich einig, man sollte sich der Tradition beugen und den Nachnamen des Mannes annehmen, na, den Kindern zu liebe (die wir noch gar nicht haben), wie soll man dann nach außen als Familie wirken (stimmt, der Name ist da auch das Einzige, was zählt), ist das deinem Zukünftigem egal? (Ja, absolut). Aber keiner kam auf die Idee mich zu fragen, warum ich überhaupt daran denke, den Namen zu behalten. Anscheinend ist das viel unwichtiger als irgendwelche ungelegten Eier.

Es gibt noch eine kleine Anekdote aus meiner Familie, warum mir der Name wichtig ist. Es beginnt alles Ende der 1920er Jahre in Russland. Meine Urgroßmutter, geboren in Sofia, Hauptstadt von Bulgarien, heiratet weit unter ihrem Stand ihre große Liebe, den Sohn des jüdischen Metzgers. Kurze Zeit später kriegen die beiden einen gesunden Stammhalter, meinen Opa, und das Familienglück scheint perfekt zu sein. Doch dann bricht der zweite Weltkrieg aus. Wie wir alle aus den Geschichtsbüchern gelernt haben, war jüdisch sein in dieser Zeit nicht all zu beliebt, sowohl bei den Deutschen als auch bei den Russen. Meine Urgroßmutter, die damals bei der Passstelle arbeitete, wollte ihre Familie vor dem Schlimmsten bewahren, und änderte kurzer Hand den Nachnamen von einem typisch jüdischem in einen typisch russischen. Leider geriet ihr Mann kurz Zeit später unter russischer Flagge in Kriegsgefangenschaft und kehrte nie mehr heim. Aber der Name blieb und wurde von meinem Opa an meinen Vater weiter gereicht und ich habe ihn schließlich von meinem Vater erhalten. Da mein Vater ebenfalls der einzige Sohn seiner Eltern blieb und ich keine Brüder habe, die ihn weiter vererben werden, wird der Name auch vermutlich mit mir aussterben, aber diese Geschichte bleibt, und wird hoffentlich in viele Generationen weiter getragen.